Nachrichten aus dem Erzgebirge

Schüler aus Gelenau werden für Musical gefeiert


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GELENAU: Vierter September 2010: Das Volkshaus in Gelenau ist ausverkauft. 350 Besucher sitzen auf ihren Plätzen. 35 Schüler aus Gelenau machen sich hinter der Bühne für ihren großen Auftritt bereit. Alle erwarten mit Spannung die offizielle Premiere eines Schülermusicals, ein Muscial über die DDR, den Herbst 89, enttäuschte Hoffnungen und eine Jugendliebe, die vielem Stand halten muss, doch vorallem: ein Muscial auf und für die Freiheit. Das, meine Damen und Herren, ist "Saitenverkehrt"!

Ein paar Wochen zurück: Die Schüler der freien Schule Erzgebirgsgsblick Gelenau beim Proben für ihren großen Auftritt. Es ist das bisher größte Projekt der Schule. Idee und Textbuch stammen aus der Feder von Musiklehrer Hendrik Seibt. Die Idee war im November vegangenen Jahres geboren, denn zu diesem Zeitpunkt dominierten Reportagen über die DDR und den Mauerfall das Fernsehprogramm.

Hendrik hat den politischen Wendeherbst jeodch auch selbst erlebt, wurde er doch für seinen anderthalbjährigen Wehrdienst zur Bereitschaftspolizei geschickt. Am 9. November war er direkt an der Grenze im Einsatz.

Die Idee war geboren, die ersten Takte hatte er im Kopf, schon konnte es losgehen.

Hendrik Seibt: "Im Januar hab ich dann die ersten Proben begonnen. Hab dann diese acht Titel geschrieben, diese acht Titel für die Rockband, und hab dann im Januar mit den Kinder angefangen zu trainieren. War auch höchste Zeit, weil es sind halt Jugendliche und keine Profischauspieler - aber was sie dort machen ist schon professionell."

Durch das Stück konnten sich die Schüler der 8. und 10. Klassen eine ganz eigene Meinung über das Land mit Hammer, Zirkel und Ehrenkranz bilden. Das fächerübergreifende Projekt hat vorallem den Sinn, dass Schüler Geschichte nicht nur aus Büchern erlernern, sondern sich selbst in die Gefühlswelt von damals hineinversetzen.

Genau um diese geht es in "Saitenverkehrt" - um Menschen, welche zu dieser Zeit gelebt haben, mit all ihren Emotionen. Sei es die Überzeugung des fiesen Stasi Majors, perfekt gemimt von Eric, oder die Hin- und Hergerissenheit des Liebespaars Katrin und René, gespielt von Johanna und Phillipp.

Hendrik kreiert eine Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die eine hinterfragt das System kritisch, der andere folgt ihm mit Treue. Es sind zwei vollkommen unterschiedliche politische Ansichten, welche sie letztendlich auseinander trieben.

Hendrik Seibt: "Es ist eine Liebesgeschichte zwischen Katrin und Rene- zwei Jugendliche, die in der DDR aufgewachsen, so in den 70er – 80er Jahren wie ich auch. Diese zwei Jugendlichen sind völlig unterschiedlich, sie lieben sich zwar sind aber politisch völlig anders. Katrin ist mehr eine Opositionelle, ihr Elternhaus eher schlicht und einfach. Rene ist eher der Überzeugte, sein Vater ist bei der Polizei, seine Mutter Lehrerin. Man sieht schon,- da stößt etwas auffeinander. Trozdem lieben sie sich, merken aber im Endstadium der DDR, das die Politik ihre Liebe beeinlfusst und ihre Freundschaft gefährdet. Dann kommt dieser Major Pawlow, ein Stasi Major, der hat den Auftrag die Beiden zu isolieren und die zwei Jugendlichen voneinander zu trennen, weil die Eltern von Katrin einen Ausreiseantrag gestellt haben. Was ja damals gang und gebe war, das Menschen abgehauen sind- manche offiziell manche gefährlich inoffiziell. So mussten sie sich trennen. Die Katrin ist dann nach Westberlin gegangen. Und der Rene linienteru wie er halt ist, musste als junger soldat an die Berliner Mauer und hat dort seinen Wehrdienst vollzogen. Dann kommt natürlich dieser Herbst, den ich auch als Berreit poli erlebt habe in Berlin dieser Wendeherbst. Viele Welten brechen zusammen, Neue tun sich auf, viele Menschen begreifen die Wende garnicht, andere wiederum freuen sich darauf und merken es muss sich etwas tun."

Zwei Jahre später treffen sie sich wieder- Katrin, als Mauerspecht tätig und René bei den Grenzgruppen der DDR. Sie stehen sich an zwei verschiedenen Fronten der Überzeugung gegenüber.

Erzählt wird uns die Geschichte mittels einer Rahmenhandlung- durch Francis und ihre Freundin. Die wollten eigentlich auf eine 80er Jahre Party gehen. Doch da taucht Julia in einer recht merkwürdigen Kleidung auf...

Ab da nimmt die Geschichte seinen Lauf und Julia erzählt Francis die Erlebnisse ihrer Mutter Katrin und führt uns geschickt durch die Handlung. Es darf natürlich auch gelacht werden, schließlich gab es in der ehemaligen Republik viele Skurrilitäten und paradoxe Staatsregelungen.

Die Musik kommt natürlich nicht vom Band. Insgesamt acht Musiktitel schrieb Hendrik für das Stück. Lieder prädestiniert um Ohrwürmer zu werden. Die Thumer Band "Mr. Longdrink und seine Barhocker" konnte er für das Stück gewinnen.

"Saitenverkehrt" ist ein authentischer Blick auf unsere DDR Geschichte, vermittelt mit einem kleinen Augenzwinkern. Selten wurde das Thema so gut rübergebracht.

Alles wollen wir dann doch nicht veraten. Überzeugen müssen Sie sich schon selbst. Gelegenheit dazu haben Sie am 24. und 26 September im Haus des Gastes "Volkshaus" der Bergstadt Thum, sowie am 17. November im Eduard–von-Winterstein–Theater in Annaberg-Buchholz. Karten gibt es in der Freien Schule Erzgebirgsblick von Montag bis Donnerstag von 8 bis 11 Uhr und im Kaufhaus Dietz von 9- 13 Uhr, sowie von 14 bis 19 Uhr.

Nachricht vom 09.09.2010 16:00 Uhr
Autor: SiB


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